Klimagerechtigkeit

Klimagerechtigkeit – Ein Überblick

Den Ursprung hat der Begriff Klimagerechtigkeit in sozialen Bewegungen, die sich seit den 70er Jahren vermehrt mit Themen der sozialen, globalen und ökologischen Gerechtigkeit auseinandergesetzt haben. Im Zentrum dieser Auseinandersetzung stand die Verknüpfung der sozialen und ökologischen Frage und die Kritik an (globalen) Machtverhältnissen, die den Klimawandel bedingen. Dieser ist also nicht als ökologische Krise zu begreifen, sondern als eine der gesellschaftlichen Naturverhältnisse.
Der Klimawandel hat global sehr unterschiedliche Auswirkungen. Generell sind Länder im globalen Süden stärker vom Klimawandel betroffen, emittieren aber wesentlich weniger CO2 im Vergleich zu Staaten im globalen Norden, die historisch betrachtet für den Klimawandel verantwortlich sind.
Bei der Bearbeitung des Klimawandels steht also die Frage nach globaler Gerechtigkeit im Vordergrund. Wo soll der CO2 Ausstoß reduziert werden? Wer soll für Anpassungsmaßnahmen bezahlen? Auch bei den UN – Klimaverhandlungen wird um solche Fragen gerungen. Für viele NGOs kommt der Gerechtigkeitsaspekt im Kioto – Protokoll und den COPs1 zu kurz. Denn die propagierten Marktmechanismen des Emissionshandels, des Clean Development Mechanism2 und des Joint Implementation3 sind ineffektiv zur Verringerung des CO2 Ausstoßes. Gleichzeitig haben diese Mechanismen fatale soziale und ökologische Folgen.
Anstatt das Problem mit kleinen Schönheitskorrekturen am ökonomischen Gefüge des Marktes bearbeiten zu wollen, muss auf die Ursachen des Klimawandels eingegangen werden. Diese liegen im System von kapitalistischen Produktionsverhältnissen. Die Lösung liegt nicht in der Reformation des Kapitalismus und Marktes, sondern in einer generellen Infragestellung globaler Machtverhältnisse und sozio-ökonomischer Strukturen. Klimagerechtigkeit bedeutet genau dies: eine Abkehr von einer fossilen Wirtschaftsweise, die auf immerwährendem Wachstum beruht, einem System, das sich auf die Ausbeutung natürlicher Ressourcen stützt, und ein System, welches alles und jeden einer Verwertungslogik unterwirft. Deswegen: Klimagerechtigkeit statt Wachstumswahn!

Klimagerechtigkeit – die Forderungen des internationalen Netzwerks „Climate Justice Now“:

  1. Fossile Energieträger im Boden belassen!
  2. Die Kontrolle über die natürlichen Ressourcen an die Menschen und die Gesellschaft zurückzugeben und die Rechte der Indigenen Bevölkerungen zu achten!
  3. Für eine lokale, nachhaltige Landwirtschaft!
  4. Die ökologische – und klimatische Schuld gegenüber den Menschen des Südens anerkennen und Ausgleichszahlungen zu tätigen.
  5. Keine falschen, marktbasierten Lösungen zu nutzen, sondern unsere Lebens- und Produktionsweise zu ändern.

Weitere Literatur zum Thema

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