Aufruf 2012

Für eine Zukunft ohne Kohle und Atom – Klimagerechtigkeit und Energiesouveränität erkämpfen!

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Im vergangenen Jahr organisierte ein breites Spektrum von lokalen Bürgerinitiativen, politischen Gruppen und Einzelpersonen bereits ein Klima- und Energiecamp in Jänschwalde/Janšojce. Die anfängliche Skepsis mancher Bürger*Innen vor Ort wandelte sich schnell in Interesse und Sympathie, so dass das Camp mit einer Besucher*innenzahl von über 300 Personen ein voller Erfolg wurde.
Nun gilt es mit einem zweiten Klima- und Energiecamp nachzusetzen, denn die rot-rote Landesregierung will am Neubau eines Kraftwerks in Jänschwalde/Janšojce festhalten, obwohl so die selbst gesteckten Klimaziele unmöglich erreicht werden können. Für neue Tagebaue sollen Menschen aus ihren Dörfern vertrieben und Landschaften zerstört werden. Es darf keine neuen Tagebaue und kein neues Kraftwerk geben! Dafür steht unser Camp im Sinne einer internationalistischen Perspektive im Kampf um Klimagerechtigkeit.

Was ist ein Klimacamp?

Ein Klimacamp ist ein Raum für Vernetzung, Wissensaustausch und Diskussion sowie widerständige Praxis und direkte Aktion. Dabei soll das Camp auch ein Experimentierfeld für ein anderes Leben sein: Ressourcenschonendes Leben ist ein ebenso elementarer Bestandteil des Camps wie basisdemokratische Selbstorganisation.

Klimagerechtigkeit bedeutet, anzuerkennen, dass das Wachstumsparadigma, welches zur maßlosen Ausbeutung von Rohstoffen, Überproduktion und Überkonsum führt, in einem grundlegenden Widerspruch zu den biophysikalischen Grenzen des Planeten und dem Kampf um soziale Gerechtigkeit steht. Deshalb richten wir unseren Blick auf eine Gesellschaft, die ihre historische Verantwortung anerkennt und danach strebt, die globalen Gemeingüter zu schützen. Wir wollen nicht länger von den Profitinteressen der Energiekonzerne abhängig sein, sondern ein selbstbestimmtes und solidarisches Leben führen.
Deshalb kämpfen wir, als Teil einer weltweiten Bewegung, für die Schaffung von demokratischen und dezentralen Strukturen. Der extremen Ausbeutung von Mensch und Natur können wir in globalem Maßstab nur entgegenwirken, indem wir auf lokaler Ebene unsere Art und Weise zu produzieren und zu konsumieren hinterfragen, uns vom Wachstumszwang befreien und das gute Leben zu unserer politischen Forderung machen. Auf der Suche nach Alternativen wollen wir uns nicht von selbst geschaffenen Sachzwängen einschränken lassen, sondern unsere Phantasie bewahren und den Blick öffnen für mögliche Attraktivitäten des Lebens.

Was bedeutet Klimagerechtigkeit? – Wir unterstützen die Forderungen des internationalen Netzwerks „Climate Justice Now“:

  1. Fossile Energieträger im Boden belassen!
  2. Die Kontrolle über die natürlichen Ressourcen an die Menschen und die Gesellschaft zurückgeben und die Rechte der Indigenen Bevölkerungen achten!
  3. Für eine lokale, nachhaltige Landwirtschaft!
  4. Die ökologische Schuld gegenüber den Menschen des Südens anerkennen und Ausgleichszahlungen tätigen!
  5. Keine falschen, marktbasierten Lösungen nutzen, sondern unsere Lebens- und Produktionsweise ändern!

So ist beispielsweise Energiesouveränität ein wichtiger Schritt in Richtung eines selbstbestimmten Lebens. Es gilt zunächst sicherzustellen, dass jede*r Zugang zu genug Energie hat. Die Energie muss jedoch so produziert werden, dass sie weder Umwelt noch Menschen schädigt oder gefährdet. Das bedeutet konkret, fossile Rohstoffe im Boden zu lassen, Produktionsmittel zu demokratisieren und unsere Einstellung zum Energieverbrauch zu ändern.

Das Camp findet in der Lausitz statt, einer Region, die stark von den negativen sozialen und ökologischen Folgen einer untragbaren Energiepolitik gekennzeichnet ist und gleichzeitig das Potential besitzt, zu einer Vorbildregion für Energiesouveränität zu werden. Brandenburg hat bereits heute einen hohen Anteil an erneuerbaren Energien. Um den Anteil weiter zu erhöhen fordern wir, gemeinsam mit Bürgerinitiativen gegen CO2-”Endlagerung” und Braunkohleabbau, einen sozialverträglichen Ausstieg aus der Kohleverstromung.

Weltweit werden insbesondere die Gebiete von indigenen Bevölkerungsgruppen in Anspruch genommen für die Gewinnung von Rohstoffen und Energie. Dabei werden Wasser, Luft und Erde gestohlen und zerstört. Dies gilt auch für das Siedlung der Sorgen/Wenden. Jänschwalde/Janšojce liegt mitten in der sorbischen Niederlausitz.

Die Menschen im Braunkohlerevier sorgen sich um ihre Arbeitsplätze und wir nehmen das ernst. Das Kraftwerk Jänschwalde/Janšojce erreicht zwischen 2020 und 2030 das planmäßige Ende seiner Laufzeit. Hauptsächlich von einem Neubau an diesem Standort hängt die Begründung für weitere Tagebaue und Umsiedlungen ab. Somit werden jetzt die politischen Entscheidungen gefällt, welche die Energiepolitik der nächsten Jahrzehnte auch über die Region hinaus maßgeblich mitbestimmen werden. Nur wenn der sozialverträgliche Wandel der Arbeitsplätze in der Energiewirtschaft rechtzeitig eingeleitet wird, können bessere Perspektiven für alle geschaffen werden. Die Frage ist nicht, wie viel Energie das Stromexportland Brandenburg produzieren kann, sondern wie nachhaltig.

Was macht Energiesouveränität aus?

Energiesouveränität bedeutet, sicherzustellen, dass jede*r Zugang zu genug Energie hat. Konkrete energiepolitische Entscheidungen werden gemeinsam und ohne Profitzwang getroffen. Energieressourcen unterliegen der Kontrolle der Gemeinschaften, die sie nutzen. Das bedeutet zwangsläufig, die Macht und das Eigentum von Energiekonzernen in Frage zu stellen.

Mit dem Camp werden wir vielfältige Diskussions- und Aktionsräume schaffen und machen es damit zu einem Kristallisationspunkt für Energiekämpfe. Mit euch zusammen wollen wir unabhängig, herrschaftskritisch und ressourcenschonend Utopien, Ziele und Strategien für einen gerechten Umgang mit Energie entwerfen.

Vom 11. bis 19. August wird es jede Menge Workshops, Diskussionen und Vernetzungsmöglichkeiten geben. Seid dabei, wenn wir uns aktiv gegen die zerstörerischen Folgen der zentralisierten und fossilen Energieproduktion stellen. Dabei können die Protestformen so unterschiedlich wie die am Widerstand beteiligten Menschen sein – von Kommunikationsguerilla über Bannerdrops und Demonstrationen bis hin zu Blockaden und Besetzungen.

Lasst uns gemeinsam für eine Zukunft ohne Kohle und Atom, für Klimagerechtigkeit und Energiesouveränität streiten!