Aufruf zum Lausitzcamp 2013

Kein Land mehr für Kohle! – Swěte su nam naše strony!
Klimagerechtigkeit und Energiesouveränität erkämpfen!

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Proschim/Prožym (Lausitz), 13.-21. Juli 2013

Der Raubbau an der Natur in der Lausitz durch den Kohlebergbau ist nach wie vor extrem.

Allein in den vergangenen 80 Jahren verschwanden ca. 136 Orte ganz oder teilweise von der Landkarte, verloren 30 000 Menschen ihre Heimat. Der Bergbau hat wertvollen Boden, vitale Wälder vernichtet und den Wasserhaushalt der Lausitz auf einer Fläche so groß wie das Saarland zerstört. Ebenso ist wertvolles kulturelles Erbe in den Dörfern und Siedlungen, insbesondere der sorbischen Kultur, unwiederbringlich verlorengegangen. Aktuell drohen fünf neue Tagebaue in der Lausitz und ein Großtagebau gleich hinter der polnischen Grenze.

Diese Natur- und Kulturzerstörung muss dringend gestoppt werden.

Die gewaltigen negativen ökologischen, sozialen und kulturellen Folgen sind offensichtlich.

Es ist aber möglich und nötig, sich konsequent und weltweit aus der fossilen Energieproduktion zu verabschieden. Es ist ebenso dringend nötig, der globalen Ressourcenplünderung, der Überproduktion und dem Überkonsum ein Ende zu bereiten, um uns selbst und die nachfolgenden Generationen nicht der Lebensgrundlagen zu berauben.

Zum dritten Mal wollen wir in der Lausitz unser Klima- und Energiecamp aufschlagen

Nach Jänschwalde/Jansojce 2011 und Cottbus/Chóebuz 2012 hatten wir für 2013 usprünglich Rohne/Rowne als Ort gewählt. Da die Platzzusage jedoch wieder zurückgezogen wurde, gehen wir jetzt nach Proschim/Prožym in Brandenburg an der Grenze zu Sachsen!

Beide Dörfer sind von genehmigten Tagebauen randbetroffen und von geplanten Tagebauen akut von Umsiedlung und Abbaggerung bedroht: Im Fall von Proschim/Prožym sind das der genehmigte Tagebau Welzow Süd I und als drohender neuer Tagebau Welzow Süd II. Die beiden Dörfer stehen beispielhaft für acht weitere gefährdete Dörfer mit mehr als 3000 Einwohnern in Brandenburg und Sachsen.

Sachsen und Brandenburg setzen weiterhin auf eine fossile und zentralistische Energieerzeugung,

die ausschließlich den Interessen der Großkonzerne, hier vor Ort Vattenfall, dient. Dabei wird die Kohleverstromung der Bevölkerung als angeblich notwendige lange Brücke ins postfossile Zeitalter verkauft. Fakt ist, dass die Vorräte der genehmigten Tagebaue ausreichen, um die vorhandenen Kraftwerke bis zu deren Auslaufen, teilweise bis nach 2040, zu betreiben.

Von Seiten der Politik wird die Energiewende unterlaufen,

wird das Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) ausgehöhlt. Fossile Großkraftwerke verstopfen die Netze. Die Nutzung fragwürdiger Technologien wie CCS und Fracking wird weiter offengehalten. Über die Medien wird suggeriert, dass die steigenden Energiekosten allein durch den Zubau von Wind- und Solaranlagen und den zentralistischen Netzausbau verursacht werden. Glücklicherweise wächst trotzdem die Bewegung von unten, wachsen Strukturen und Anlagen einer demokratischeren Energieproduktion und – verteilung. Diese benötigen dringend einen sicheren politischen Rahmen, darunter ein Erneuerbare-Energien-Gesetz welches diesen Namen weiterhin verdient.

Energie-Konzerne nutzen die Angst vor Arbeitsplatzverlust um ihre Pfründe zu sichern

Der fortschreitende Arbeitsplatzabbau in der fossilen Energieindustrie dagegen wird heruntergespielt bis verschleiert.Das starre Festhalten an der Braunkohle gefährdet die Zukunft der Region. Wir fordern die Politik auf, gemeinsam mit allen Bürgern rechtzeitig die Rahmenbedingungen für den Strukturwandel zu schaffen. Zum Beispiel ist Brandenburg noch immer Spitzenreiter in der alternativen Energieproduktion, braucht dringend dezentrale Netze und ist somit auf die Fachkräfte aus der Energiewirtschaft angewiesen.

Proschim/Prožym und die Lausitz insgesamt stehen symbolisch für weltweiten Raubbau an der Natur, Ressourcenplünderung und Zerstörung des Klimagleichgewichtes.

Mit unserem Camp lenken wir bewusst die Aufmerksamkeit der Öffentlichkeit auf diese Region. Gleichzeitig wenden wir uns energisch dagegen, dass weltweit für Rohstoffe und fossile Energieträger und den Profit daraus Menschen um Auskommen, Lebensraum und Gesundheit beraubt werden, insbesondere in den Ländern des globalen Südens. Wir setzen uns ein für Klimagerechtigkeit und Energiesouveränität.

Unser Camp ist

Ort der Begegnung, Vernetzung, des Wissensaustausches, der künstlerischen kulturellen und praktischen Auseinandersetzung mit unseren Themen Energie, Umwelt, Klima, Ressourcen, Wachstum und den damit verbundenen sozialen, ethischen und technischen Herausforderungen,

Ort der Diskussion und Erprobung von Widerstand Aktion gegen die aktuelle Energiepolitik und deren Kniefall vor den Konzernen.

Experimentierfeld des solidarischen und nachhaltigen Lebens und respektvollen Miteinanders, des Ausprobierens alternativer Lebensformen.

Startpunkt der Reclaim Power Tour, einer Fahrradkarawane, die quer durch Deutschland führt und im Rheinischen Braunkohlenrevier endet.

Seid dabei, macht mit, wenn es vom 13. bis 21. Juli 2013 in Proschim/Prožym heißt:

Kein Land mehr für Kohle!

Für Klimagerechtigkeit und Energiesouveränität!

  • Was bedeutet Klimagerechtigkeit?

    Wir unterstützen die Forderungen des internationalen Netzwerks „Climate Justice Now“:

    1. Fossile Energieträger im Boden belassen!
    2. Die Kontrolle über die natürlichen Ressourcen an die Menschen und die Gesellschaft zurückgeben und die Rechte der indigenen Bevölkerung achten!
    3. Für eine lokale, nachhaltige Landwirtschaft, für Ernährungssouveränität!
    4. Die ökologische Schuld gegenüber den Menschen des Südens anerkennen und Ausgleichszahlungen tätigen!
    5. Keine falschen, marktbasierten Lösungen nutzen, sondern unsere Lebens- und Produktionsweise ändern!

     

  • Was macht Energiesouveränität aus?

    Energiesouveränität bedeutet, sicherzustellen, dass jede*r Zugang zu genug Energie hat. Konkrete energiepolitische Entscheidungen werden hier gemeinsam und ohne Profitzwang getroffen. Energieressourcen unterliegen der Kontrolle der Gemeinschaften, die sie nutzen. Das bedeutet zwangsläufig, die Macht und das Eigentum von Energiekonzernen in Frage zu stellen.

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