Aufruf zum Lausitzcamp 2014

Aufruf Klimacamp 2014 (Stand 2014-05-08) – Herunterladen als PDF

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Beschnittzugabe: 3mm

 

Lausitzer Klima- & Energiecamp 2014

Kein Land mehr für Kohle! Swěte su nam naše strony! Nie oddamy więcej wsi na węgiel!

In der Lausitz steht das Klima auf der Kippe – und das in mehrfacher Bedeutung. Der menschengemachte Klimawandel erfordert heute schon Maßnahmen, um das Überschreiten von Kipppunkten zu verhindern. Dafür ist eine drastische Absenkung der CO2-Emissionen, insbesondere aus der Kohleverstromung, erforderlich. Weltweit müssen aufgrund der Folgen des Klimawandels bereits heute Menschen ihre Heimat verlassen. In der Lausitz kippt das soziale Klima dann, wenn für Braunkohle Menschen in ihren Dörfern der Boden unter den Füssen weggerissen werden soll. Dort wo die Braunkohle schon aus dem Boden geholt wurde, bezeichnet die Kippe den rutschungsgefährdeten und wassergefährdenden Abraum. Dort, wo einst Landschaft war, entsteht Altlast für kommende Generationen. Für die kurzfristige Befriedigung unseres Energiehungers wird über Jahrtausende gewachsene Kulturlandschaft geopfert.

Lausitzer Klima- und Energiecamp im Brennpunkt der Energiepolitik Deutschlands. Das Lausitzcamp verknüpft zum vierten Mal den lokalen Widerstand gegen neue Tagebaue und Kraftwerke mit einer globalen Perspektive im Kampf um Klimagerechtigkeit. Wir camp(f)en solidarisch im internationalen Kohlewiderstand und gegen die Tagebau-Vorhaben beiderseits der Neiße. In Kerkwitz bei Guben beteiligen wir uns am 23. August an der grenzüberschreitenden Menschenkette. Für einen echten Brückenschlag statt so genannter Brückentechnologie!

WAS IST EIN KLIMACAMP?

‧ Basisdemokratische und unabhängige Plattform, getragen von ehrenamtlichen Klimaaktivist*innen
‧ Teil einer lebendigen und aktiven Bewegung, die Kämpfe um Ressourcenschutz, Klimagerechtigkeit, Energiesouveränität und Demokratie verbindet
‧ Ort der Vernetzung, des Erfahrungsaustausches, der künstlerischen und praktischen Auseinandersetzung mit drängenden gesellschaftlichen Problemen
‧ Experimentierfeld gelebter Alternativen, in deren Mittelpunkt der bewusste Umgang miteinander und gegenseitiger Respekt stehen
‧ Ausgangspunkt für widerständige Praxis und direkte Aktionen

Keine neuen Tagebaue und neue Kohlekraftwerke! In Brandenburg und Sachsen befinden sich aktuell drei neue Tagebaue in Planung. Das Dorf Kerkwitz ist, wie auch die Nachbarorte Atterwasch und Grabko, durch den Tagebauplan Jänschwalde Nord von der Abbaggerung bedroht. Im polnischen Gubin/Brody sollen auf der anderen Seite der Neiße ebenfalls 2000 Menschen einer Tagebaugrube von über 100 Quadratkilometern weichen. Die lokale Bevölkerung ist außerdem massiv von Schadstoffemissionen betroffen, die beim Abbau und der Verbrennung von Kohle freigesetzt werden. Darüber hinaus verbreitet sich die Luftverschmutzung über weite Gebiete, schädigt unsere Lungen, erhöht das Herzinfarktrisiko und senkt die Lebenserwartung.

Die Wahrheit hinter der Strompreislüge. Unter dem Deckmantel bezahlbarer Energie für deutsche Unternehmen, werden Großverbraucher indirekt subventioniert und das zu Lasten der restlichen Stromverbraucher. Statt öffentlicher Daseinsvorsorge und bezahlbarer Energie für alle, gibt es Gewinne für Aktionär*innen. Die Befreiung von der EEG-Umlage negiert zudem jeden Anreiz für einen sparsamen Stromverbrauch. Auch der Braunkohletagebau in der Lausitz ist paradoxer Weise von der Umlage befreit. Der Tagebau ist dabei nicht nur Ausgangspunkt des klimaschädlichsten Energieträgers; er verbraucht und verschmutzt knappes Grundwasser und gefährdet damit die Trinkwasserversorgung in Brandenburg und Berlin. Der enorme Flächenbedarf zerstört landwirtschaftlichen Ackerboden und Ökosysteme. Die bisherigen Versuche zur Renaturierung sind extrem teuer und können doch nicht das wiederherstellen, was verloren gegangen ist. Kohle ist nicht billig, Kohle kommt uns noch lange teuer zu stehen.

Gebt uns die Energiewende zurück! Das Erneuerbare-Energien-Gesetz hat für einen rasanten Ausbau bei der Stromerzeugung aus erneuerbaren Quellen gesorgt. Trotzdem stieg die Braunkohleverstromung und mit ihr die CO2-Emissionen auf den höchsten Stand seit 1990. Kohle- und Atomkraftwerke verstopfen mit ihrem Strom zunehmend die Netze, da diese Kraftwerke nicht flexibel genug sind. Für die Einspeisung von Wind- und Sonnenenergie sind sie deshalb kein Partner, sondern Bremsklötze der Energiewende. In einem sinnvoll geplanten, regionalen Strommix ist bereits heute mit Sonne, Wind, Wasser, Biomasse und Geothermie eine zuverlässige Stromversorgung möglich, die zudem günstiger ist und regionalen Mehrwert erzeugt.

Strukturwandel jetzt! Der sozialverträgliche Umbau der Arbeitsplätze in der Energiewirtschaft muss jetzt eingeleitet werden, denn Kohlekraftwerke sind mit einem konsequenten Klimaschutz nicht vereinbar. Die Abwanderung von Facharbeiter*innen und Ingenieur*innen könnte gestoppt werden, wenn regional neue qualifizierte Arbeitsplätze gefördert werden. Erneuerbare Energien, umweltverträgliche Landwirtschaft, Rekultivierung, Kulturprojekte mit solidarischem Arbeiten und Wohnen bieten ein breites Aufgabenspektrum. Die heute vorherrschende Abhängigkeit von einem Konzern und dessen willfährigen Helfer*innen in der Politik kann durch Energiesouveränität in den Händen Vieler überwunden werden. Für die Lausitz gibt es mehr als eine Perspektive jenseits der Kohle.

WAS IST ENERGIESOUVERÄNITÄT?

Energiesouveränität bedeutet, sicherzustellen, dass jede*r Zugang zu ausreichend Energie hat. Konkrete energiepolitische Entscheidungen werden gemeinsam und ohne Profitzwang getroffen. Energieressourcen unterliegen der Kontrolle der Gemeinschaften, die sie nutzen. Das bedeutet zwangsläufig, die Macht und das Eigentum von Energiekonzernen in Frage zu stellen.

CCS und Fracking – Hochrisikotechnologie ohne Nutzen. Fossile Brennstoffe sind ein Auslaufmodell, daran können auch CCS-Technologie und Fracking nichts ändern. Die kurzfristige Ausbeutung dieser Ressourcen steht in keinem Verhältnis zu den unkalkulierbaren Risiken. Wir wollen handhabbare Technologien und eine demokratische Auseinandersetzung darüber, wie ein gutes Zusammenleben aussehen kann, in dem die Belange von Mensch und Umwelt ausbalanciert werden. Der maßlosen Ausbeutung von Natur- und Humanressourcen im globalen Maßstab können wir nur entgegenwirken, indem wir auf lokaler Ebene unsere Produktions- und Konsummuster ändern und Alternativen jenseits des Wachstumsdogmas und der Profitmaximierung weiterentwickeln.

Gegen (Ohn-)Macht von „oben“ hilft nur Nachdruck von „unten“. Das Klimacamp trägt mit Bildung und Kultur, Widerstand und Vernetzung dazu bei. Gemeinsam für eine Zukunft ohne Kohle, für Klimagerechtigkeit und Energiesouveränität! Widerstand kennt keine Grenzen!

 

 

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