Archiv: CCS in Brandenburg – ein Überblick

Mithilfe der CCS-Technologie soll CO2 an Kohlekraftwerken abgeschieden, verflüssigt und unter die Erde gepresst werden (CCS = Carbon Capture and Storage). In Jänschwalde in Brandenburg, dem Ort des Camps, soll ein Demonstrationskraftwerk für diese bisher weitgehend unerprobte Technologie entstehen. Das dort abgeschiedene CO2 soll dann in den Gebieten rund um Beeskow und Neutrebbin unter die Erde gepresst werden. Ob das mit Schwermetallen gemischte CO2 wie erhofft im Boden bleibt, wieder an die Oberfläche tritt oder das Trinkwasser verunreinigt, ist allerdings unklar. Das vorgesehene Ausbreitungsgebiet des Kohlendioxids erstreckt sich von den Verpressungsregionen aus bis über Berlin und, auf der anderen Seite, über die polnische Grenze. Ist das Demonstrationskraftwerk umgesetzt, sollen weitere Kraftwerke folgen. Die Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe hat bundesweit bereits 408 mögliche Speicherorte untersucht.

Energiekonzerne nutzen das Scheinargument der „sauberen Kohle“ durch CCS, um weiterhin am Klimakiller Braunkohle und den alten Strukturen festzuhalten. Allein für die Braunkohletagebaue in der Lausitz mussten in den letzten Jahrzehnten über 30.000 Menschen in 136 Dörfern den Baggern weichen. Durch den geplanten neuen Braunkohletagebau Jänschwalde-Nord würden als nächstes die drei Ortschaften Kerkwitz, Grabko und Atterwasch von der Landkarte verschwinden.

Für den Klimaschutz ist CO2-“Endlagerung“ eine Hochrisikoinvestition. Auch hier gilt: Es gibt kein sicheres Endlager. Durch den Einsatz von CCS verringert sich die Effizienz der Kraftwerke, es wird also deutlich mehr Kohle benötigt, woraus deutlich mehr CO2 entsteht. Und selbstverständlich wäre, würde CCS tatsächlich irgendwann sicher funktionieren, die Speicherkapazität begrenzt, die Lagerstätten stünden etwa für Geothermie nicht mehr zur Verfügung. Der Umstieg auf erneuerbare, dezentrale und demokratische Energieversorgung wird durch ein Festhalten an der Kohleverstromung unmöglich gemacht.

Brandenburg wird bei der Durchsetzung der CCS-Technologie das Zünglein an der Waage sein. Denn die brandenburgische Landesregierung will zur Zeit Brandenburg zum Labor für die Erprobung der CO2-Endlagerung machen – gegen große Widerstände in der Bevölkerung. Voraussichtlich wird die Entscheidung noch in diesem Jahr fallen.

Gemeinsam mit Bürgerinitiativen gegen CO2-Endlagerung und Braunkohleabbau fordern wir einen sozialverträglichen Ausstieg aus der Kohleverstromung. Wir nehmen die Ängste der Menschen im Braunkohlerevier vor Arbeitsplatzverlusten ernst. Doch nur wenn jetzt der Strukturwandel eingeleitet wird, können rechtzeitig neue Perspektiven geschaffen werden. Brandenburg kann eine Vorbildregion für Energiesouveränität und eine hundert Prozent erneuerbare Energieversorgung werden. Darin liegt das eigentliche Entwicklungspotenzial der Region, nicht im Festhalten an der Braunkohle.

 

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